DIE FRESKEN ERKLÄRT
Die bemalten Gräber von Tarquinia: Leoparden, Stiere & Triclinium
Ein genauerer Blick auf vier der berühmtesten bemalten Gräber Tarquinias – was jedes Fresko zeigt, wann es gemalt wurde und warum eines davon nicht mehr unter der Erde erhalten ist.
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Was Tarquinia so ungewöhnlich macht, ist nicht nur, dass die Gräber alt sind – sondern dass sie bemalt sind. Etruskische Künstler trugen mineralische Pigmente direkt auf den feuchten Verputz der Kammerwände auf und arbeiteten schnell, solange er noch formbar war – eine Technik, die eher dem Fresko gleicht als dem gemeißelten Relief, das anderswo im antiken Mittelmeerraum üblicher war. Da bemalter Verputz im Vergleich zu Stein oder gebranntem Ton nur schlecht überdauert, ist die schiere Anzahl der hier erhaltenen bemalten Innenräume – in dieser Menge fast nirgendwo sonst in der etruskischen Welt zu finden – selbst ein Grund, warum Tarquinia für Kunsthistoriker von Bedeutung ist, nicht nur für Archäologen.
Das Grab der Leoparden: die Bankettszene
Dieses um 500 v. Chr. entstandene Wandbild ist Tarquinias Markenzeichen schlechthin: lagernde Paare beim Bankett, umgeben von Musikern und Tänzern, gezeichnet mit sicherem, fließendem Strich, während über der Tür am Giebel zwei einander zugewandte Leoparden prangen. Es zählt zu den am besten erhaltenen bemalten Kammern der Nekropole – und seine warme Farbigkeit und Unmittelbarkeit, die Figuren mitten in einer Bewegung zeigt statt in steifer Pose, erklären, warum es häufiger reproduziert wird als jedes andere etruskische Fresko. Es belohnt einen langsamen Blick: Der Maler variierte die Haltung jedes einzelnen Gastes, statt eine stereotype Figur zu wiederholen.
Das Grab der Stiere: Mythos und Bedrohung
Zu den ältesten bemalten Kammern in Tarquinia zählend, datiert auf etwa die 540er–530er Jahre v. Chr., verdankt sie ihren Namen zwei Stieren mit menschlichen Gesichtern, die in eine mythische Szene an der Rückwand eingearbeitet sind. Anderswo in derselben Grabkammer zeigt ein bemaltes Hinterhalt-Motiv den griechischen Helden Achilles, wie er am Brunnenhaus auf den trojanischen Prinzen Troilos lauert – ein griechischer Mythos, gemalt von oder für Etrusker, der verdeutlicht, wie eng die Elite von Tarquinia schon lange vor Rom in die mediterrane Kultur und Bildwelt eingebunden war, lange bevor Rom über ein auch nur annähernd vergleichbares bemaltes Zeugnis verfügte.
Das Grabmal der Jagd und des Fischfangs: Meer, Himmel und Sport
Die um 530–520 v. Chr. datierte Grabkammer wendet sich der natürlichen Welt zu: Taucher, die von Felsen springen, Fischer mit Ruten und Netzen, aufgeschreckte Vögel am Himmel, Delfine im Wasser darunter und ein Reiter, der sich seinen Weg entlang einer Klippe bahnt. Sie gilt als eine der natürlichsten und unbeschwert fröhlichsten Szenen, die aus der etruskischen Welt erhalten sind – weniger formell als ein Bankettszenenbild, näher an einem beobachteten Nachmittag an der Küste bei Tarquinia selbst, und ein seltener Einblick in etruskische Muße statt Ritual oder Mythos. Kaum etwas anderes aus dem antiken Mittelmeerraum fängt gewöhnliche Erholung im Freien mit so viel ungekünstelter Energie ein.
Das Grab des Trikliniums: heute im Museum
Die um 470 v. Chr. entstandenen Malereien – zeitgleich mit dem Grab der Leoparden – zeigten im Triclinium ursprünglich ein Bankett mit Tänzern und Musikern in besonders fließender Bewegung. Aufsteigende Feuchtigkeit und Salzkristallisation setzten dem Putz im Laufe der Zeit schwer zu, und vor Jahrzehnten lösten Restauratoren die erhaltenen Fresken vollständig von den Grabwänden und brachten sie ins Nationale Archäologische Museum von Tarquinia, wo man sie aus nächster Nähe betrachten kann. Das Grab selbst liegt weiterhin am Monterozzi-Hügel – leer, ein schlichtes Sinnbild dafür, wie nah diese Malereien daran waren, für immer verloren zu gehen, und warum Restauratoren heute bei allem, was noch im Boden ruht, äußerste Vorsicht walten lassen.
Die vier Grabstätten auf einen Blick
Nur ein Bruchteil der rund 6.000 Gräber in Monterozzi wurde überhaupt je bemalt – Malerei war ein kostspieliger Auftrag, der Tarquinias wohlhabendsten Familien vorbehalten war und vermutlich von Künstlern ausgeführt wurde, die in griechischen Werkstätten ausgebildet oder von ihnen beeinflusst waren, deren Gaststile sich die Elite Tarquinias offenbar leisten konnte. Wenn man mehr als eines dieser vier Gräber nebeneinander sieht, sei es unterirdisch oder anhand der abgelösten Fresken im Museum, zeigt sich, wie sich der Stil über rund zwei Jahrhunderte wandelte – vom steiferen mythologischen Drama der Stiere bis zur wärmeren, entspannteren häuslichen Bankettszene der Leoparden, eine echte künstlerische Entwicklung und kein einheitlicher etruskischer Stil.
Vier bemalte Gräber, im Vergleich
| Hrobka | Ca. Datum | Was es zeigt |
|---|---|---|
| Grab der Stiere | ca. 540–530 v. Chr. | Mythologische Hinterhalt-Szene; Stiere mit Menschengesichtern |
| Grabmal der Jagd und des Fischfangs | ca. 530–520 v. Chr. | Taucher, Angler, Vögel und eine Küstenlandschaft |
| Grab der Leoparden | ca. 5. Jahrhundert v. Chr. | Bankett mit Musikern, Tänzern, gegenüber von Leoparden |
| Grab des Trikliniums | ca. 470 v. Chr. | Bankettszene; Fresken heute abgelöst und im Museum |